Europapokal der Landesmeister, Saison 1988/89, 1. Runde
BFC Dynamo Ost-Berlin - Werder Bremen
Hinspiel
Berlin - Bremen 3:0
Rückspiel
Bremen - Berlin 5:0
Tore: Kutzop, Hermann, Riedle, Burgsmüller, Schaaf
Das zweite Wunder von der Weser
Ein Jahr nach dem spektakulären Comeback gegen Spartak Moskau schrieb Werder Bremen erneut Europapokalgeschichte. Diesmal war die Ausgangslage sogar politisch besonders aufgeladen: In der ersten Runde des Europapokals der Landesmeister 1988/89 traf der amtierende deutsche Meister Werder Bremen auf den DDR-Meister BFC Dynamo aus Ost-Berlin. Werder selbst bezeichnet das damalige deutsch-deutsche Duell rückblickend als „enorm politisch aufgeladen“.
Das Hinspiel fand am 6. September 1988 im Berliner Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark statt. Für die Mannschaft von Otto Rehhagel verlief der Abend enttäuschend. Thomas Doll brachte den BFC in der 16. Minute mit 1:0 in Führung. Nach der Pause erhöhten Andreas Thom in der 62. und Frank Pastor in der 77. Minute auf 3:0. Werder musste damit im Rückspiel einen Rückstand von drei Toren aufholen.
Zwischen beiden Spielen lagen fünf Wochen. Am 11. Oktober 1988 kam es im Weserstadion zum Rückspiel. Werder benötigte mindestens drei Tore, durfte dabei aber möglichst keinen Gegentreffer kassieren.
Von Beginn an übernahm Bremen die Initiative. Die erste Belohnung folgte in der 23. Minute: Michael Kutzop verwandelte einen Strafstoss zum 1:0. Trotz weiterer Möglichkeiten blieb es bis zur Pause bei diesem Ergebnis. Zwei Tore fehlten Werder weiterhin zumindest zum Ausgleich des Gesamtergebnisses.
Nach der Pause nahm das Spiel den Verlauf, der es später zum zweiten „Wunder von der Weser“ machen sollte. In der 55. Minute traf Günter Hermann zum 2:0. Nur sieben Minuten später erzielte Karl-Heinz Riedle das 3:0. Der Rückstand aus Berlin war damit ausgeglichen.
Werder gab sich damit nicht zufrieden. In der 70. Minute erzielte Manfred Burgsmüller das 4:0. Erstmals an diesem Abend lag Bremen damit auch über beide Spiele gerechnet vorne. Der BFC Dynamo benötigte nun selbst ein Tor, doch Werder hielt den Gegner weiter vom eigenen Tor fern.
Die endgültige Entscheidung fiel unmittelbar vor dem Schlusspfiff. Thomas Schaaf erzielte das 5:0 und machte aus dem 0:3 des Hinspiels einen 5:3-Erfolg in der Gesamtwertung. Werder hatte innerhalb eines einzigen Spiels einen Drei-Tore-Rückstand gedreht und zog in die zweite Runde des Europapokals der Landesmeister ein. Dort wartete Celtic Glasgow.
Norbert Kuntze überliefert in seiner Darstellung des Spiels einen Satz von Otto Rehhagel, der zu diesem Abend passte:
„Ich habe immer gesagt, dass im Fußball alles möglich ist...“
Das 5:0 gegen den BFC Dynamo wurde als zweites „Wunder von der Weser“ Teil der Bremer Vereinsgeschichte. Auch der SV Werder Bremen führt die Partie heute ausdrücklich unter dieser Bezeichnung. UEFA zählt das Comeback ebenfalls zu den herausragenden Europapokal-Aufholjagden des Vereins.
Quelle des Zitats:
Norbert Kuntze: Werder Bremen: Eine Karriere im kühlen Norden, Verlag Die Werkstatt, 1997.
Weitere Quellen für Spiel- und Ergebnisdaten:
SV Werder Bremen, Rückblick zum 30. Jahrestag des zweiten „Wunders von der Weser“; RSSSF, Europapokal der Landesmeister 1988/89; UEFA, Rückblick auf die „Wunder von der Weser“.