Uefa-Pokal, Saison 1999/2000, 3. Runde
Olympique Lyon - Werder Bremen
Hinspiel
Lyon - Bremen 3:0
Rückspiel
Bremen - Lyon 4:0
Tore: Bode, Herzog, Baumann, Pizarro
Das vierte Wunder von der Weser
Sechs Jahre nach der spektakulären Aufholjagd gegen RSC Anderlecht folgte im Weserstadion das vierte Spiel, das als „Wunder von der Weser“ in die Vereinsgeschichte einging. In der dritten Runde des UEFA-Pokals 1999/2000 traf Werder Bremen auf Olympique Lyon. Die Mannschaft wurde inzwischen von Thomas Schaaf trainiert, der wenige Monate zuvor mit Werder den DFB-Pokal gewonnen hatte.
Das Hinspiel fand am 25. November 1999 in Lyon statt. Werder erwischte einen schlechten Abend. Bereits in der 13. Minute brachte der Brasilianer Sonny Anderson die Gastgeber in Führung. Kurz vor der Halbzeit traf Anderson erneut und erhöhte auf 2:0. Tony Vairelles erzielte in der 77. Minute das 3:0. Werder blieb ohne eigenen Treffer und stand vor dem Rückspiel damit vor einer schwierigen Aufgabe.
Am 7. Dezember 1999 kam es im Weserstadion zur Entscheidung. Werder musste drei Tore aufholen und durfte sich gleichzeitig keinen Gegentreffer erlauben. Ein 3:0 hätte nach der damaligen Regelung zur Verlängerung geführt. Für das direkte Weiterkommen benötigte Bremen mindestens vier Tore.
Thomas Schaaf gab sich vor der Partie dennoch überzeugt. Auf der damaligen Berichterstattung, die auf der bisherigen Fanclub-Seite erhalten ist, wird er mit den Worten zitiert:
„Ich glaube wirklich an das Fußball-Wunder!“
Werder spielte von Beginn an offensiv. Bereits in den ersten Minuten entstanden Möglichkeiten, ehe Marco Bode in der 16. Minute die Führung erzielte. Andreas Herzog spielte den Ball auf Bode, der aus spitzem Winkel an Lyons Torhüter Grégory Coupet vorbei zum 1:0 traf.
Noch vor der Pause gelang der zweite Treffer. Nach einem Foul von David Linares an Torsten Frings entschied der Schiedsrichter auf Strafstoss. Andreas Herzog übernahm die Verantwortung und verwandelte in der 39. Minute zum 2:0. Werder hatte damit zwei der drei Tore aus dem Hinspiel aufgeholt.
Nach der Pause benötigten die Bremer nicht lange für den nächsten Schritt. In der 54. Minute brachte Herzog eine Flanke in den Strafraum, wo Frank Baumann frei zum Abschluss kam und das 3:0 erzielte. Nach Hin- und Rückspiel stand es damit insgesamt 3:3. Zu diesem Zeitpunkt wäre die Begegnung in die Verlängerung gegangen.
Doch Werder wollte die Entscheidung noch innerhalb der regulären Spielzeit. In der 77. Minute setzte sich Ailton auf der rechten Seite durch und spielte den Ball quer vor das Tor. Claudio Pizarro verwertete die Vorlage zum 4:0. Werder hatte den Drei-Tore-Rückstand aus Lyon vollständig gedreht und lag erstmals in diesem Duell vorne.
Entschieden war die Partie trotzdem noch nicht. Aufgrund der damaligen Auswärtstorregel hätte ein Treffer der Franzosen zum 4:1 ausgereicht, um Lyon weiterzubringen. In der Schlussphase musste Werder deshalb mehrere gefährliche Situationen überstehen.
Dabei wurde Frank Rost noch einmal entscheidend. Kurz vor dem Ende parierte der Bremer Torhüter zunächst einen gefährlichen Abschluss. Wenig später kam Sonny Anderson aus kurzer Entfernung zum Schuss, doch auch diesen Versuch hielt Rost. Werder brachte das 4:0 über die Zeit.
Nach der 0:3-Niederlage im Hinspiel gewann Bremen das Rückspiel damit 4:0 und setzte sich insgesamt mit 4:3 durch. Marco Bode, Andreas Herzog, Frank Baumann und Claudio Pizarro hatten die vier benötigten Tore erzielt. Werder zog in die nächste Runde des UEFA-Pokals ein.
Der SV Werder Bremen führt die Partie heute ausdrücklich als das vierte „Wunder von der Weser“. In der Vereinschronik wird der Erfolg gegen Lyon als eine der besonderen Aufholjagden der UEFA-Pokal-Saison 1999/2000 eingeordnet. Werder erreichte in dieser Spielzeit schliesslich das Viertelfinale des Wettbewerbs.
Weitere Quellen für Spiel- und Ergebnisdaten:
SV Werder Bremen, Neuauflage: Achtelfinal-Gegner heisst Olympique Lyon; SV Werder Bremen, Vereinschronik 2000–2004; DFB-Datencenter, UEFA-Pokal 1999/2000.